Was Führung im Ungewissen braucht

Nach Corona glaubten wir alle, sehr erfahren im Umgang mit Unsicherheit geworden zu sein. Schaut man sich das aktuelle Ausmaß der geo- und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten heute an, war das wohl eher naiv!

Leider hat die massive Verunsicherung nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen sondern wirkt auch auf die Psyche von Mitarbeitern. Sie fühlen sich zunehmend gestresst und überfordert. Denn Unsicherheit stimuliert evolutionär tief verankerte neurologische Prozesse im Gehirn, aktiviert die Amygdala, hemmt klares Denken im präfrontalen Kortex und verstärkt emotionale Reaktionen. Nicht die besten Voraussetzungen für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln!

Welche Rahmenbedingungen können Führungskräfte schaffen, damit ihre Teams mit Unsicherheit besser umgehen und handlungsfähig bleiben können? Hier ein paar Denkanstöße dazu:

Kognitive Fähigkeiten trainieren: Die Fähigkeit, Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten hilft, Unsicherheit nicht als Bedrohung, sondern als Möglichkeit zu sehen. Aus: „Ich weiß nicht, was passieren wird“ wird dann: „Ich bin offen für verschiedene Möglichkeiten“.

Klarheit im Umgang mit der Unklarheit vorleben: Führungskräfte, die dem Impuls widerstehen, alles sofort lösen zu wollen, leben aktiv vor, dass man Widersprüche und Unklarheit aushalten kann, ohne gleich in Aktionismus zu verfallen.

Gemeinsame Intention als Anker: Menschen können Unsicherheit besser aushalten, wenn sie verstehen wofür. Eine starke gemeinsame Intention kann zum Anker in unsicherem Umfeld werden und hilft Prioritäten zu setzen, ohne sich in der Vielzahl möglicher Aktivitäten zu verzetteln.

Eigenverantwortung kultivieren: Gleichzeitig fühlen Menschen sich weniger ausgeliefert, wenn sie Teil der Lösung sein dürfen. Wer seinen Mitarbeitenden Handlungsspielraum und Selbstvertrauen gibt, sich aktiv einzubringen, legt eine wichtige Grundlage für einen guten Umgang mit Unsicherheit.

Psychologische Sicherheit stärken: Psychologische Sicherheit ist nachweislich eine wichtige Basis für erfolgreiche Teams und damit eine zentrale Führungsaufgabe. Unter Unsicherheit gilt das umso mehr. Menschen, die mit anderen über Sorgen und Zweifel sprechen können, erleben weniger Stressreaktionen – das ist neurologisch messbar.

Beziehungen vor Sachebene: Gemeinschaft stärkt psychische Resilienz – auch das ist wissenschaftlich hinreichend belegt. Statt allein auf der Sachebene aktiv zu werden und z.B. Prozesse, Technologien oder Strukturen zu verändern, müssen Führungskräfte viel mehr Zeit und Ressourcen in die Stärkung der Beziehungsebene in ihren Teams investieren.

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